Familie bei der Tabakernte
MISCHFRUCHTANBAU | TABAK
Auf dem sandigen Hoerdter Boden, der früher mit Stallmist und später mit Mineraldünger angereichert wurde, gedeihen von jeher zahlreiche Anbaukulturen; neben Gemüse – vor allem Spargel – war früher Tabak sehr verbreitet.
Nach der Aussaat des Tabaksamens im März wurden die Setzlinge Mitte Mai während der Spargelsaison im Feld ausgepflanzt.
Im Frühsommer, wenn die Pflanze bereits etwa 1,80 Meter hoch war, erschien die Blüte. Damit sich die Tabakblätter bestmöglich entwickeln konnten, wurden die Blüten abgeschnitten.
Die Ernte richtete sich nach dem Reifegrad und erstreckte sich von Juli bis September, wobei die unteren Blätter zuerst und die oberen zuletzt gepflückt wurden. Die geernteten Blätter wurden auf lange Schnüre gefädelt und in Girlanden gereiht zum Trocknen aufgehängt.
Der Tabakanbau war streng reglementiert : Die Anzahl der Pflanzen wurde von der SEITA (Gesellschaft für Tabak- und Streichholzindustrie) kontrolliert. 1940 zählte Hoerdt 392 Tabakanbauer, 1991 waren es nur noch 11, heute gibt es keinen einzigen mehr.
Das Einbringen der Tabakernte
Bis in die 1960er Jahre wurden die Tabakblätter in der Mitte des Dorfes aufgehäuft, später in der Düwàkhàll,
der Tabakhalle der SEITA, neben dem heutigen Kulturzentrum.
Am Vormittag begutachteten die Käufer der SEITA die Tabakblätter, bezahlt wurden die Pflanzer noch am gleichen Nachmittag: Die Vergütung bestand zu 50 % aus einem Festpreis, die andere Hälfte richtete sich nach der Qualität.
Jeder Betrieb durfte nur auf einer begrenzten Fläche Tabak anbauen. Speziell zur Tabakernte buken die Hoerdter Bäcker Düwàkwecke. Diese kleinen Brioche-Brötchen kauften die Tabakpflanzer am Tag der Lieferung, um sie ihren Familien mitzubringen.
