Die Wehrpflichtigen tragen zwei Bänder an ihrer Kleidung, eins davon für ihre Verlobte
DER MESSTI
Das Fest der Wehrpflichtigen
Beim Messti wurden traditionell im Elsass die jungen Männer gefeiert, bevor sie zum Wehrdienst eingezogen wurden. An einem Sommertag fanden sich Groß und Klein zu einem fröhlichen, volkstümlichen Fest zusammen. Auf den Straßen und in den Restaurants wurden Bälle und Vorführungen geboten, und auf dem Messtiplatz jedes Dorfes war Kirmes.
Das Fest der Wehrpflichtigen war ein Ritual, das die Jungen zu “echten Männern” machen sollte – eine Art Übergangsritus in der traditionellen Gesellschaft. Die Kleidung der Rekruten wurde im Lauf der Jahre immer weiter ausgeschmückt : mit Schottenkaros, bunten Bändern und einem blumenverzierten Hut; dazu wurde eine französische Fahne mit dem Namen der Jahrgangs bestickt.
Der Name Messti kommt von Messtag. Im überwiegend protestantischen Hoerdt war der Massti (so die lokale Aussprache) ein überschwängliches Fest, das Ende August begangen wurde. Organisiert wurde es von den Wehrpflichtigen des jeweiligen Jahres (seit Ende der Wehrpflicht von jungen Männern und Frauen, die in dem betreffenden Jahr volljährig wurden).
Vergessene Riten
Der Massti, der heute nicht mehr begangen wird, war lange ein wichtiges Dorffest, bei dem die Wehrpflichtigen komplexe Rituale ausführten, wie das Erklimmen des Maïe (ein hoher Baumstamm, den einer der Rekruten hinaufklettern musste, um an der Spitze aufgehängte Lebensmittel zu holen) oder die von Tanzbären-Vorführungen inspirierte Masstibar-Tradition, bei der ein schwarz geschminkter Mann durchs Dorf geführt wurde, um Kindern und jungen Mädchen Angst einzujagen.
Der Massti in seiner traditionellen Form wird in Hoerdt heute nicht mehr gefeiert. An seine Stelle sind einfache Dorffeste getreten, wie “d’Pfengschtmassti” am Pfingstwochenende oder der Jahrmarkt Ende August mit der Messti-Wanderung und einem Wettbewerb, bei dem die Mitglieder der Vereine in verschiedenen Spielen gegeneinander antreten.
