DIE MILCHGENOSSENSCHAFT
Eine Versicherung gegen Tierverluste
Ab Ende des 19. Jahrhunderts bis 1950 zahlten die Rinderzüchter in eine Gemeinschaftskasse ein, die sie im Falle von Tierverlusten entschädigte.
In diesen Jahrzehnten nahm die Herdengröße beträchtlich zu. 1955 betrug die Gesamtanzahl der Rinder 976, zwanzig Jahre später waren es 1 531.
Günstige Bedingungen für die Gründung einer Milchgenossenschaft
Nach dem Zweiten Weltkrieg lag die Milchproduktion weit unter dem Vorkriegsniveau: Von 2 408 Hektolitern im Jahr 1938 war sie bei Kriegsende auf 1 507 Hektoliter gesunken. Künstliche Besamung, der Einsatz von Zuchtbullen, optimierte Tiernahrung und die Unterstützung der Landwirte durch Forschungs- und Beratungseinrichtungen führten ab 1960 zu einem kontinuierlichen Anstieg der Milchleistung: 1950 gab eine Kuh jährlich 3 000 Liter Milch, 1960 waren es über 8 000 Liter.
Vor diesem Hintergrund wurde am 4. März 1957 die Milchgenossenschaft Hoerdt gegründet. 1959 errichtete sie auf einem Grundstück hinter dem alten Rathaus (der heutigen Bibliothek), das ihr die Gemeinde für 30 Jahre verpachtete, eine Milchannahmestation.
Die Milchquotenpolitik
Die Markteinführung von Sterilmilch Mitte der 1950er Jahre führte bei den kleinen Erzeugern von pasteurisierter Milch zu großer Verunsicherung, denn sie verfügten nicht über ausreichend finanzielle Mittel für den Kauf der erforderlichen Sterilisationsanlagen. Sie warfen den großen Molkereien vor, die Kleinbetriebe vernichten zu wollen.
Durch die zunehmende Haltbarkeit von Milch verschärfte sich auch das Problem des Milchüberschusses, und die Erzeuger waren gezwungen, ihre Produktion zu immer niedrigeren Preisen zu verkaufen. In den 1970er und frühen 1980er Jahren legten die europäischen Instanzen mehrere Programme zur Drosselung der Milcherzeugung auf, allerdings ohne großen Erfolg. 1984 führte die Europäische Gemeinschaft schließlich die Milchquotenregelung ein.
Unter diesen besonderen Rahmenbedingungen schlossen sich die Milchgenossenschaften von Straßburg, Haguenau, Berstett, Molsheim und Riedseltz zur Coopérative Alsace Lait zusammen.
1986 errichtete Alsace Lait ihren neuen Sitz in Hoerdt.
Im darauffolgenden Jahr beschloss der Gemeinderat, die Gebäude der Coopérative La Tour für den Bau eines neuen Rathauses zu erwerben.
