DAS HAUS DER GESUNDHEIT DES NORDELSASS
Eine “Bettleranstalt” wird zum Haus der Gesundheit Hoerdt
Im Zusammenhang mit einem von der Präfektur verhängten Bettel-Verbot wurde 1861 in Hoerdt eine “Bettleranstalt” eingerichtet. Halb Asyl, halb Gefängnis, umfasste die Verwahreinrichtung mehrere Häuser mit einer Aufnahmekapazität von jeweils 50 Personen. Auf dem Gelände befanden sich außerdem ein Verwaltungsgebäude und ein Speisesaal.
Die Hausregeln waren sehr streng, insbesondere das Schweigegebot musste strikt eingehalten werden. Die bei Verstößen verhängten schweren Sanktionen verstärkten den Strafvollzugscharakter der Anstalt. Ihre Insassen wurden zur Arbeit gezwungen und bekamen nur bei „guter Führung“ hin und wieder Ausgang.
Nach der Angliederung von Elsass-Lothringen an das Deutsche Reich wurde 1878 eine “Irrenanstalt” auf dem Gelände untergebracht. 1912 kam ein Sicherheitstrakt für Kriminelle und als gefährlich eingestufte psychisch Kranke hinzu.
Mit dem Vertrag von Versailles fiel der Komplex 1919 wieder an den französischen Staat und wurde als Maison de la Santé de Hoerdt (Haus der Gesundheit) weitergeführt.
Eine unsichere Zukunft trotz Umstrukturierungen und Umbauten
Nach der Erweiterung im Jahr 1929 spezialisierten sich die verschiedenen Häuser. Doch 1963 schloss die Station für schwierige Psychiatrie-Patienten, und diese wurden in geeignetere psychiatrische Kliniken verlegt.
Schrittweise wurde die Einrichtung modernisiert, sodass sich die Lebensqualität der Patienten insgesamt verbesserte und die Abläufe durch die neue Ausstattung optimiert werden konnten. Auch die Grundsätze der modernen sektoralen Psychiatrie mit ambulanten Sprechstunden und externer Patientenbetreuung kamen allmählich zur Anwendung.
Trotz zahlreicher Umstrukturierungen wurde die psychiatrische Abteilung 2007 in das Établissement Public de Santé d’Alsace Nord von Brumath verlegt und die Einrichtung in Hoerdt 2014 endgültig geschlossen.
